Zahnarztteam Luzern - Praxis Dr. Schulte

Wurzelbehandlung

Wann und warum ist eine Wurzelbehandlung erforderlich

  1. Wenn die Zahnpulpa irreversibel entzündet ist (Pulpitis) und anhaltende oder ständig wiederkehrende Zahnschmerzen auftreten. Die für den Patienten oft unerträglichen Schmerzen können nur durch eine Wurzelbehandlung dauerhaft beseitigt werden.
  2. Wenn der Zahnnerv ganz oder teilweise abgestorben ist (Pulpanekrose, Gangrän). Beim devitalen (toten)  Zahn ist eine Wurzelbehandlung erforderlich, damit nicht Bakterien das Zahninnere besiedeln können.

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Was ist Wurzelbehandlung

Bei der Wurzelbehandlung (Fachbegriff:  endodontische Behandlung) wird umgangssprachlich dem Zahn der „Nerv gezogen“: Das Pulpagewebe wird vollständig aus dem Inneren des Zahnes und der Zahnwurzel entfernt und der Wurzelkanal (oder die Wurzelkanäle) mit einer Wurzelfüllung möglichst dicht verschlossen. Der Zahnarzt muss dazu gute Kenntnisse von der anatomischen Beschaffenheit der Zahnwurzel haben und wissen, wieviele Wurzeln und Kanäle der Zahn hat.  Dabei ist die Anzahl  der Wurzeln und der Kanäle pro Wurzel sehr variabel: Ein oberer erster Prämolar kann z.B. eine oder zwei  Wurzeln und 1-3 Wurzelkanäle haben. Somit muss der Zahnarzt immer im Einzelfall prüfen, wieviele Wurzelkanäle tatsächlich vorhanden sind, um eine vollständige Behandlung aller Kanäle sicherzustellen. Röntgenbilder und Vergrösserungshilfen bei der Arbeit sind dazu unentbehrlich.

Optische Darstellung der Wurzelkanäle bei Molaren (Stockzähne): Anzahl, Verzweigung und Verlauf der Kanäle sind extrem variabel. Dadurch sind Wurzelbehandlungen bei diesen Zähnen mitunter sehr kompliziert. Manchmal ist es technisch nicht möglich, alle Kanäle und Abzweigungen (Seitenkanäle) komplett aufzubereiten und zu füllen.

Die Anzahl der Wurzeln und Kanäle pro Zahn kann stark variieren, wie die Tabelle zeigt

Wie funktioniert eine Wurzelbehandlung

1. Betäubung

Der zu behandelnde Zahn wird mittels Lokalanästhesie örtlich betäubt, wenn der Nerv noch vital ist (lebender Zahn). Bei korrekter Betäubung ist eine Wurzelbehandlung absolut schmerzlos. Bei devitalen (toten) Zähnen kann man oft auch auf die Anästhesie verzichten. Ängstlichen Patienten bieten wir zur Entspannung zusätzlich eine Lachgas-Sedierung  an. 

2. Isolierung

Eine dünne, gelochte  Gummi-Folie (Spanngummi, Kofferdam) wird über den Zahn gezogen und mit Klammern befestigt. Dadurch wird der Zahn von der Mundhöhle isoliert und der Zutritt von Speichel und Bakterien aus dem Mund verhindert. Gleichzeitig verhindert das Spanngummi, dass während der Wurzelbehandlung die nadelförmigen Wurzelkanalinstrumente unbeabsichtigt  in den Mund fallen können (Gefahr des Verschluckens oder Einatmens).

3. Aufbohren des Zahnes (Trepanation)

Der Zahn wird nun von oben (Kaufläche) bzw. hinten (Schneide- und Eckzähne) aufgebohrt (trepaniert), um die Pulpahöhle zu eröffnen und freien Zugang zu den Wurzelkanälen herzustellen. Die Eingänge der Wurzelkanäle am Boden der Pulpenhöhle werden nun  aufgesucht, wobei  eine optische Vergrösserung (Lupenbrille oder Mikroskop) äusserst wichtig ist.

4. Darstellung der Kanaleingänge

Darstellung der Kanaleingänge unter dem Mikroskop. Bei diesem Molaren (Backenzahn) konnten dank der Vergrösserung sogar fünf Kanäle gefunden und aufbereitet werden. Die Eingänge werden mit entsprechenden Instrumenten zunächst vorsichtig trichterförmig erweitert, damit sich die Wurzelkanalinstrumente leichter einführen lassen.

5. Längenmessung

Vor der eigentlichen Aufbereitung der Wurzelkanäle muss deren Länge festgestellt werden. Nur so ist es möglich, den Kanal genau bis zur Wurzelspitze (Apex) aufzubereiten. Die vor der Wurzelkanalbehandlung erstellte Röntgenaufnahme gibt schon erste Hinweise auf die ungefähre Wurzellänge. Eine genaue Messung (Endometrie) erfolgt dann mit dem elektronischen Längenmessgerät, das beim Einführen des Wurzelkanalinstruments die exakte Entfernung zur Wurzelspitze (Apex) angibt. In Zweifelsfällen kann zusätzlich eine Röntgen-Messaufnahme mit Darstellung der zuvor eingeführten Kanalfeilen sinnvoll sein. In unserer Praxis verwenden wir ausschliesslich digitale Röntgenbilder mit hoher Auflösung, schneller Verfügbarkeit und sehr geringer Strahlendosis.

Elektronisches Messgerät zur Bestimmung der Länge von Wurzelkanälen

6. Aufbereitung der Wurzelkanäle

Mit einer Serie von speziellen, aufeinander abgestimmten nadelförmigen Instrumenten werden die Wurzelkanäle jetzt schonend erweitert. Zusätzlich zu den feilenartigen Handinstrumenten kommen heute hochelastische rotierende Wurzelkanalinstrumente zum Einsatz. Sie bestehen meist aus einer Nickel-Titan-Legierung (Ni-Ti) und sind in der Lage, auch gekrümmten Wurzelkanälen sicher bis zur Spitze zu folgen. Der Antrieb erfolgt durch einen elektronisch gesteuerten Mikromotor mit genau definiertem Drehmoment, damit die grazilen Feilen nicht im Kanal abbrechen. In unserer Praxis verwenden wir ProTaper Next®-Wurzelkanalinstrumente, die den Kanal nachweislich besonders schnell und sicher aufbereiten. Um das Risiko eines Bruchs (Fraktur) der Kanalinstrumente weiter zu minimieren, benutzen wir diese nur als Einmalinstrumente.

Die extrem elastischen Wurzelkanalinstrumente der Pro Taper Next®-Serie garantieren eine effiziente und sichere Kanalaufbereitung.

7. Reinigung und Desinfektion des Wurzelkanals

Nach jedem Instrument wird der Kanal mit einer desinfizierenden Flüssigkeit (Natriumhypochlorid) gespült.  Am Ende der Aufbereitung erfolgt die Trocknung des Kanals mit sterilen Papierspitzen.

8. Medikation des Kanals

Dieser Zwischenschritt ist nur erforderlich, wenn der Wurzelkanal infiziert war und / oder der behandelte Zahn Schmerzen verursachte.  In diesem Fall wird zunächst eine desinfizierende Paste in den Wurzelkanal appliziert und der Zahn mit einer provisorischen Füllung verschlossen. Die Wurzelfüllung erfolgt einige Tage später.

9. Füllung der Wurzelkanäle

Die gereinigten, desinfizierten und getrockneten  Wurzelkanäle werden nun bis zur Wurzelspitze möglichst dicht mit einer  Wurzelfüllung verschlossen.  Dazu wird ein dickflüssiger Zement (Sealer) und Stifte aus Guttapercha in den Kanal eingeführt. Die Guttapercha kann auch mit speziellen Instrumenten (Plugger) komprimiert werden (Kondensation) oder durch Hitze erweicht werden (thermoplastische Wurzelfüllung) um auch die Verästelungen der Wurzelkanäle (sogenannte Seitenkanäle) bestmöglich abzudichten.

10. Verschluss des Zahnes und Röntgenbild

Nach der Wurzelfüllung  wird der Zahn von oben mit einer Kunststoff-Füllung (Komposit) bakteriendicht verschlossen. Der hermetische Verschluss ist sehr wichtig, da der Wurzelkanal ansonsten wieder durch Bakterien aus der Mundhöhle besiedelt wird. Eine Röntgen-Kontrollaufnahme  dokumentiert am Ende die durchgeführte Wurzelfüllung.

Das Röntgen-Kontrollbild nach durchgeführter Wurzelbehandlung der Zähne 16 und 15 zeigt korrekt bis zur Wurzelspitze (Apex) abgefüllte Wurzelkanäle (4 Kanäle beim Zahn 16, 2 Kanäle beim Zahn 15)

Dieses Video (auf englisch) zeigt schematisch den Ablauf einer Wurzelbehandlung

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Erfahrungen, Erfolgsrate und Komplikationen bei Wurzelbehandlungen

Endodontische Behandlungen spielen sich auf engstem, schwer zugänglichen  Raum ab und sind  technisch anspruchsvoll.  Ihr Erfolg hängt daher massgeblich von der Übung und dem Geschick des Behandlers ab.  Die Verwendung von Sehhilfen wie  Vergrösserungsbrille oder Mikroskop und moderner   Wurzelkanalinstrumente  können die Erfolgsrate der Wurzelbehandlung verbessern. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, geht man nach den vorliegenden Erfahrungen von einer Erfolgsrate von 70-90% aus.
Dennoch kann es bisweilen Probleme und Komplikationen geben, die eine erfolgreiche endodontische Behandlung vereiteln können:

  • Nicht alle Wurzelkanäle werden gefunden / gefüllt

    Die Anzahl der Wurzelkanäle ist sehr variabel. So kann ein 1. Molar (Backenzahn)  2,3,4 oder sogar 5 Wurzelkanäle aufweisen. Werden bei einer Wurzelbehandlung nicht alle Kanäle gefüllt, kann es zu permanenten Schmerzen oder zur Ausbildung von chronischen bakteriellen Entzündungen an der Wurzelspitze (Granulome) kommen. Zum Auffinden der Kanäle ist die Benutzung vergrössernder Sehhilfen (Lupenbrille oder Mikroskop) besonders hilfreich.

  • Die Wurzelkanäle werden nicht bis zur Wurzelspitze aufbereitet / gefüllt (Unterfüllung)

    Besonders bei stark gekrümmten Wurzeln und verkalkten Wurzelkanälen ist es oft schwierig, die Kanäle bis zur Wurzelspitze (Apex) aufzubereiten und zu füllen. Eine zu kurze Wurzelfüllung  (Unterfüllung)  kann zu einer bakteriellen Besiedlung des ungefüllten Teils der Wurzel und zu einer chronischen Knochenentzündung (apikale Ostitis) führen.

    Chronische Knochenentzündung an der Wurzelspitze des Zahnes 45 (apikale Ostitis) bei unvollständiger Wurzelfüllung (zu kurz)

  • Die Wurzelkanäle werden über die Wurzelspitze hinaus aufbereitet / gefüllt (Überfüllung)

    Dabei gelangt Zement (Sealer) oder Guttapercha in den Knochen und kann dort Probleme wie akute oder chronische Fremdkörper-Entzündungen auslösen. Besonders kritisch ist es, wenn Wurzelfüllmaterial in die Kieferhöhle oder den Nervkanal im Unterkiefer gelangt. Manchmal ist eine chirurgische Entfernung der Wurzelspitze (Wurzelspitzenresektion) erforderlich, um den Fremdkörper zu entfernen.

    Zu lange Wurzelfüllung (Überfüllung): Wurzelfüllzement und Guttapercha wurden über die Wurzelspitze hinaus in den Knochen gepresst. Dringt das Material in den Nervkanal des Unterkiefers, kann das zu bleibenden Schäden des Gefühlsnerven der Unterlippe führen.

  • Bei der Aufbereitung kommt es zur Durchbohrung (Perforation) des Wurzelkanals

    Besonders bei gekrümmten Wurzelkanälen kann es beim Aufbereiten zu einem Durchstossen der Kanalwand und einer Perforation nach aussen kommen (Via falsa). Solche Perforationen können in manchen Fällen verschlossen werden, aber auch zum Verlust des Zahnes führen.

  • Das Wurzelkanalinstrument bricht im Kanal ab (Fraktur)

    In engen und gebogenen Wurzelkanälen müssen die grazilen rotierenden Aufbereitungsinstrumente enormen Belastungen standhalten. Kommt es zum Bruch (Fraktur) des Instruments, ist es meistens schwierig, das im Kanal steckende Fragment zu entfernen. Mithilfe von Spezialinstrumenten und Sehhilfen (Mikroskop) kann die Entfernung dennoch gelingen. Andernfalls kann in manchen Fällen eine Wurzelspitzenresektion helfen, wenn das gebrochene Instrument nahe der Wurzelspitze sitzt. Kann das Fragment nicht aus dem Kanal geholt werden, droht eine bakterielle Besiedlung mit Knochenentzündung an der Wurzelspitze. Um solche Instrumentenbrüche möglichst ganz zu vermeiden, benutzen wir unsere Wurzelkanalinstrumente nur einmal und entsorgen sie anschliessend. Ausserdem verwenden wir rotierende Instrumente ausschliesslich mit einem drehmomentkontrollierten Mikromotor, der die Drehbewegung automatisch umkehrt, wenn eine definierte Belastung überschritten wird.

  • Der behandelte Zahn wird nicht bakteriendicht verschlossen

    Wenn die Füllung oder Krone, die nach der Wurzelbehandlung angefertigt wird, nicht absolut dicht und undurchlässig für Bakterien ist, kommt es im Laufe der Zeit zu einer erneuten Kontamination durch Mikroorganismen, die vom Munde her in die Wurzelfüllung eindringen und diese besiedeln. Das ist eine häufige Ursache für das sogenannte Rezidiv (Scheitern der Wurzelbehandlung), bei dem es nach einer gewissen Zeit zum Wiederauftreten der entzündlichen Symptome kommt.

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Kinder: Wurzelbehandlung von Milchzähnen

Vorzeitiger Verlust von Milchzähnen kann schädliche Folgen für das bleibende Gebiss haben. Daher kann es in manchen Fällen zur Erhaltung von kariösen  Milchzähnen sinnvoll sein, eine Wurzelbehandlung durchzuführen. Mit lokaler Betäubung sind diese Behandlungen völlig schmerzlos, ängstliche Kinder können bei uns mit Lachgas oder notfalls unter Vollnarkose behandelt werden.

Wenn der Zahnnerv noch nicht entzündet ist, genügt es manchmal, nur dessen oberen Teil (die Kronenpulpa) zu entfernen. Die Wurzelpulpa wird dann abgedeckt und bleibt vital. Man nennt dieses Verfahren Pulpotomie oder Vitalamputation.  Wenn die Pulpa bereits entzündet ist  kann eine Milchzahn-Wurzelfüllung  in manchen Fällen angezeigt sein.  Allerdings muss beim Milchzahn ein resorbierbares Wurzelfüllmaterial verwendet werden, das biologisch abgebaut werden kann, wenn sich die Milchzahnwurzel beim Zahnwechsel  auflöst. Nach einer Wurzelbehandlung muss der Milchzahn mit einer speziellen Milchzahnkrone restauriert werden, damit er nicht abbricht.  Milchzahn-Wurzelbehandlungen sind schwierig und gehören in erfahrene Hände. Unsere Kinderzahnärztin Frau Dr. Iwanski verfügt  neben ihrer Qualifikation in Kinderzahnmedizin auch über eine abgeschlossene Weiterbildung in Endodontie.  Hier erhalten Sie mehr Informationen zur Kinderzahnmedizin

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Restaurierung (Zahn-Aufbau) nach einer Wurzelbehandlung - Stiftzähne

Wurzelstifte und Aufbau eines stark zerstörten Molaren (Backenzahn)

Der wurzelbehandelte Zahn wird zunächst mit einer dicht abschliessenden Aufbau-Füllung versorgt, damit keine Bakterien eindringen können. Nach der  Wurzelbehandlung ist der Zahn mechanisch geschwächt und es besteht vor allem bei den hinteren Zähnen das Risiko, dass sie bei Belastung früher oder später abbrechen (frakturieren). Daher werden wurzelbehandelte Seitenzähne (Prämolaren und Molaren) oft mit einer Krone versorgt, um sie vor Frakturen zu schützen.

Wenn der wurzelbehandelte Zahn durch Karies stark zerstört ist, muss er manchmal mit einem Stiftaufbau stabilisiert werden.  Dazu wird ein Wurzelstift aus Glasfaser, Metall oder Zirkon-Keramik in den Wurzelkanal geklebt (zementiert). Der Stumpf wird dann mit Komposit aufgebaut und mit einer Krone versorgt. Man spricht in solchen Fällen auch von Stiftzahn oder Stiftkrone.  Ein Stiftzahn kommt heute nicht mehr so oft zum Einsatz, da Wurzelstifte auch Risse oder Frakturen der Zahnwurzel verursachen können. Bei schlechter Prognose der Wurzel ist ein Ersatz des Zahnes mit einem Implantat meist dem Stiftzahn vorzuziehen.

Vordere Zähne (Schneidezahn, Eckzahn) sind mechanisch weniger belastet und brauchen im Regelfall nach einer Wurzelbehandlung nicht überkront zu werden. Allerdings kommt es nach der Wurzelfüllung bisweilen zu einer dunklen Verfärbung,  die bei Frontzähnen ästhetisch störend sein kann.  Ein internes Bleichen (Bleaching) kann hier Abhilfe schaffen. Manchmal ist aus ästhetischen Gründen auch ein Veneer aus Keramik oder eine Krone notwendig, um die dunkle Verfärbung dauerhaft zu kaschieren.

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