Mundgeruch (Halitosis): Ein atemberaubendes Thema

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Mundgeruch oder schlechter Atem (wissenschaftliche Bezeichnungen: Halitosis, Halitose, foetor ex ore) ist ein weitverbreitetes Problem: Statistisch weisen ca. 30% aller Menschen zeitweise und 8% dauerhaften Mundgeruch auf. Umso mehr erstaunt die Tatsache, dass ein so häufiges Phänomen in unserer Gesellschaft ein Tabu-Thema darstellt: Die Betroffenen reden aus Scham selbst mit ihren nächsten Angehörigen und Ehepartnern nicht darüber und werden umgekehrt meistens auch nicht auf ihren Mundgeruch hingewiesen. Dazu kommt, dass man Mundgeruch an sich selbst nicht feststellen kann. Auf diese Weise entsteht eine grosse Unsicherheit im Umgang mit Halitose. Wer Angst hat, unter Mundgeruch zu leiden, wagt oft nicht, einen ihm Nahestehenden um Rat zu fragen, was die unausgesprochene Sorge vor sozialer Ausgrenzung weiter verstärkt.

Diese Seite wendet sich in erster Linie an alle Patienten, die von Halitosis betroffen sind oder die Angst haben, davon betroffen zu sein. Alle wesentlichen Informationen zum Thema Halitose sind hier nach neuestem Wissensstand kurz zusammengefasst dargestellt.

Immer noch ist der Irrglaube verbreitet, dass Halitose hauptsächlich auf Magenprobleme zurückzuführen sei. Dabei ist heute erwiesen, dass mehr als 95% aller Fälle von Halitose ihre Ursache im Mund- und Rachenraum hat. Deshalb sollte der Zahnarzt immer die erste Anlaufstelle für Halitose-Patienten sein. Da wir wissen, dass ein grosser Bedarf nach fachkundiger Beratung besteht, haben wir in unserer Praxis eine Mundgeruch-Sprechstunde eingerichtet.

Um Ihnen einen sachlichen Überblick über das Thema „Mundgeruch“ zu geben, erhalten Sie hier umfangreiche und bebilderte Informationen, die Sie entweder als kompletten Text oder aber abschnittsweise lesen oder ausdrucken können

Wenn Sie nur einzelne Schwerpunktthemen interessieren, oder abschnittsweise lesen wollen, können Sie unter den folgenden Punkten wählen:

Jeder kennt das: Eine ganze Reihe von Nahrungs- und Genussmitteln können durch die Beeinflussung der Atemluft zu vorübergehendem Mundgeruch führen, der von der Umgebung mitunter als unangenehm empfunden wird. „Schlechter Atem“ wäre in diesem Fall allerdings die bessere Bezeichnung als „Mundgeruch“, da die Ursache eindeutig in der Atemluft liegt. Bekanntestes Beispiel ist der Knoblauch, dessen Aromen teilweise mit dem Atem ausgeschieden werden und bis zu zwei Tage nach seiner Aufnahme noch Halitose verursachen können. Auch Zwiebeln, Alkohol, Käse, Tabak Rauchen, Kaffee etc. können zu ähnlichen Effekten führen. Diese ernährungsbedingte Art des Mundgeruchs ist immer harmlos und durch Vermeidung der ursächlichen Nahrungs- und Genussmittel leicht abzustellen.
Übrigens kann auch längeres Fasten durch veränderte Speichel-Konsistenz Mundgeruch begünstigen. Eine regelmässige Einnahme der Mahlzeiten, insbesondere des Frühstücks, wird daher empfohlen.

Was atmen wir aus?

Die ausgeatmete Luft des Menschen enthält etwa 78% Stickstoff, 17% Sauerstoff, 4% Kohlendioxid und nur etwa 1% sonstige Gase. Dieses eine Prozent kann jedoch stark geruchsaktive Gase enthalten, so dass trotz des geringen Volumenanteils der Geruch der ausgeatmeten Luft als unangenehm oder gar unerträglich empfunden wird.

Die wichtigsten chemischen Verbindungen in diesem Zusammenhang sind flüchtige Schwefelverbindungen (z.B. Methylmerkaptan, Dimethylsulfid oder Schwefelwasserstoff) aber auch noch geruchsintensivere Substanzen wie beispielsweise Indol, Skatol, Kadaverin oder Putreszin. Der tägliche Geruch der Ausatemluft unterliegt oft erheblichen tageszeitlichen Schwankungen, die auch von der Nahrungsaufnahme abhängig sind.

Die Entstehung von Mundgeruch (Halitosis oder Halitose) ist heute wissenschaftlich gut erforscht. In fast allen Fällen handelt es sich um im Mund oder Rachen angesiedelte anaerobe (ohne Sauerstoff lebende) Bakterien, die Proteine (Eiweiss-Stoffe) abbauen. Bei der Zersetzung dieser Proteine, die Nahrungsreste oder abgestorbene Zellen des eigenen Gewebes sein können, entstehen zuerst Aminosäuren, die dann wiederum abgebaut werden, wobei schwefelhaltige übelriechende Gase freigesetzt werden.

In über 90% wird Halitose verursacht durch:

  • Bakterielle Zungenbeläge
  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
  • Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparats)
  • Xerostomie (zu geringer Speichelfluss)

Zungenbeläge

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Die Zunge hat mehrere wichtige Funktionen: Sie ist unentbehrlich beim Transport der Nahrung im Mund, beim Schluckakt, zum Sprechen und zum Schmecken.

Es gilt heute als erwiesen, dass der Zungenrücken die häufigste Quelle von Mundgeruch darstellt. Die gefurchte, zerklüftete Mikrostruktur (Relief) der Zunge mit ihren Papillen bietet hervorragende Lebensbedingungen für anaerobe, d.h. ohne Sauerstoff lebende Bakterien (Anaerobier), die hier eine riesige Oberfläche besiedeln können. Etwa zwei Drittel aller im Mund befindlichen Bakterien sind auf dem Zungenrücken angesiedelt. Der bakterielle Zungenbelag beherbergt dieselben Keime, die auch an der Entstehung der Gingivitis und Parodontitis beteiligt sind. Diese Mikroorganismen spalten Proteine und erzeugen durch Bildung schwefelhaltiger übelriechender Gase Mundgeruch.

Zungenbelag
Zungenbelag

Gingivitis

Massive Zahnfleischentzünfung und Zahnbelag
Massive Gingivitis und Zahnbelag

Die Entzündung des Zahnfleisches wird Gingivitis genannt, etwa 40% der Bevölkerung sind davon betroffen. Bis auf seltene allgemeinmedizinische Ursachen ist Gingivitis fast immer auf unzureichende Mundhygiene zurückzuführen. Hormonelle Umstellungen (z.B. in der Schwangerschaft) und bestimmte Medikamente können die Neigung zur Zahnfleisch-Entzündung verstärken. Die Ansammlung von „Plaque“ genannten bakteriellen Zahnbelägen führt zu den typischen Zeichen der Zahnfleisch-Entzündung: Rötung, Schwellung und Blutungsneigung. Wenn die Zahnbeläge nicht entfernt werden, kann die Gingivitis in eine Parodontitis übergehen. Zahnfleisch-Probleme wie Gingivitis oder Parodontitis führen durch die massenhaft vorhandenen Bakterien oft zu Mundgeruch.

Parodontitis

Fortgeschrittene Entzündung des Zahnhalteapparats
Fortgeschrittene Parodontitis

Wenn die bakterielle Entzündung nicht nur das Zahnfleisch betrifft, sondern auch den Zahnhalteapparat (z.B. den zahntragenden Kieferknochen) angreift, spricht man von Parodontitis – populär oft Parodontose gennannt. Es kommt zur Bildung von Zahnfleisch- und Knochentaschen, aus denen sich oft Eiter entleert. Manchmal entstehen auch mit Eiter gefüllte Abszesse. Die massive Besiedlung der Taschen mit anaeroben (ohne Sauerstoff lebenden) Bakterien kann bei Parodontitis-Patienten zu starker Halitosis führen. Die weitverbreitete Parodontitis führt ohne Behandlung zu Zahnverlust und kann auch negative Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben. Ausführliche Informationen über Parodontalerkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten erhalten Sie auf unserer Seite Parodontitis und Zahnfleischprobleme

Speicheldrüsen - Illustration
Die großen Speicheldrüsen (grün markiert)

Bakteriell bedingter Mundgeruch wird begünstigt, wenn der Speichelfluss vermindert ist. Speichel hat eine wichtige Spülfunktion und hilft z.B. Nahrungsreste aus der Mundhöhle zu entfernen. Zudem kann er die bei der bakteriellen Zersetzung von Proteinen entstehenden übelriechenden Gase binden und hat zudem eine gewisse antibakterielle Wirkung.

Wenn zu wenig Speichel produziert wird und der Mund dadurch zu trocken ist, bezeichnet man das als Xerostomie. Heute weiss man, dass eine zu geringe Speichel-Produktion ein entscheidender Faktor für die Entstehung von Mundgeruch sein kann.

Wissenswertes zum menschlichen Speichel

Der menschliche Speichel enthält ca. 99,5% Wasser und 0.5% gelöste Bestandteile wie Schleimstoffe, Proteine und Enzyme. Speichel befeuchtet und schützt die Schleimhäute und ist als Gleitmittel unerlässlich zum Schlucken fester Nahrung. Wichtig ist ebenfalls die Schutzfunktion gegen Karies. Pro Tag produziert ein Mensch etwa 0,5 – 1,5 Liter Speichel.

Ursachen der Xerostomie können sein:

  • Einnahme bestimmter den Speichelfluss reduzierender Medikamente, wie z.B.:
    • krampflösende Mittel
    • Medikamente gegen Depressionen
    • Beruhigungsmittel und Schlafmittel
    • Antihistaminika bei Allergien
    • blutdrucksenkende Medikamente
    • harntreibende Arzneien
    • Appetitzügler
  • Erkrankungen der Speicheldrüsen
  • Zustand nach Bestrahlung im Kopfbereich (Schädigung der Speicheldrüsen)
Tonsilitis - Mandelentzündung

Wie oben ausgeführt, liegt die Quelle des Mundgeruchs zu über 90% in der Mundhöhle. Daher sollte bei der Untersuchung von Halitose-Patienten zunächst eine orale (im Mundbereich gelegene) Ursache gesucht bzw. ausgeschlossen werden.

In den – relativ seltenen – Fällen, in denen die Halitosis nicht von der Mundhöhle ausgeht, liegt die Ursache (in absteigender Häufigkeit) in folgenden Erkrankungen:

  • Chronische Entzündungen der Kieferhöhle oder anderer Nasennebenhöhlen (Sinusitis)
  • Chronische Tonsillitis (Entzündung der Gaumenmandeln)
  • Chronische Rhinitis (Schleimhautentzündungen der Nase), Nasenpolypen
  • Ausstülpungen der Speiseröhre (Divertikel) oder Störung des Schliessmuskels zwischen Magen und Speiseröhre
  • In sehr seltenen Fällen können auch bösartige Tumoren des Mund-, Nasen- Rachenraumes oder der Atemwege für Mundgeruch verantwortlich sein
Mundgeruch-Sprechstunde in unserer Praxis

Viele Menschen haben – zu Recht oder zu Unrecht – die Sorge, Mundgeruch (andere Bezeichnungen: Halitosis, Halitose) zu haben. Da man selbst seinen eigenen Mundgeruch kaum feststellen kann und oft verständliche Hemmungen bestehen, andere nahestehende oder fremde Personen um ihr Urteil zu bitten, ist es für diese Patienten sehr wichtig, eine objektive Begutachtung ihres Mundgeruches zu erhalten.

Mit der Mundgeruch-Sprechstunde bieten wir unseren Patienten die Möglichkeit, das Vorhandensein und ggf. die Intensität von Mundgeruch zweifelsfrei festzustellen und nach dessen Ursache zu forschen. Wir bedienen uns dabei verschiedener bewährter Testverfahren. Ein ausführlicher Fragebogen, den der Patient vor der Sitzung (oder möglichst bereits zu Hause) ausfüllt, ist dabei hilfreich. Um korrekte und unverfäschte Untersuchungsergebnisse zu erhalten, es wichtig, bereits einen Tag vor der Mundgeruch-Sprechstunde bestimmte Verhaltensregeln einzuhalten. Hinweise und Fragebogen für die Mundgeruch-Sprechstunde herunterladen (pdf)

Sogenannte „organoleptische“ Tests beruhen auf der Wahrnehmung von Mundgeruch durch den Geruchssinn des Untersuchers. Mit standardisierten Methoden wird eine möglichst objektive Beurteilung angestrebt und die ermittelten Werte werden sorgfältig dokumentiert, um Vergleiche mit späteren Kontrollen zu ermöglichen.

Halimeter
Halimeter und ausgedrucktes Messprotokoll

Das Halimeter ist ein elektronisches Messgerät, das es erlaubt, die für Halitose verantwortlichen gasförmigen Verbindungen im Mund des Patienten zu messen. Das Halimeter saugt über ein Röhrchen eine Luftprobe direkt aus dem Mund des Patienten an. Der hochempfindlicher Sensor im Gerät misst die Konzentration der schwefligen Gase und zeigt den Messwert in ppb (parts per billion = Teile pro Milliarde) an. Über eine spezielle Software können diese Messwerte auch im Computer erfasst und gespeichert werden.

Auch wenn das Halimeter die zuvor genannten Testverfahren nicht ersetzen kann, ist es doch eine wertvolle Hilfe bei der objektiven Beurteilung der Halitosis. Es erlaubt auch eine Verlaufskontrolle, um mithilfe der Messwerte festzustellen, ob die Behandlung der Halitose den gewünschten Erfolg zeigt. Aus diesem Grund ist das Halimeter in unserer Praxis ein unverzichtbares Instrument für die Mundgeruch-Diagnostik geworden.

Analyse der Luft im Mund des Patienten mit dem Halimeter

Wenn die Tests und Messungen tatsächlich das Vorliegen von Halitosis bestätigen, muss zunächst die Ursache des Mundgeruchs ermittelt werden.

Wie bereits erwähnt, ist die Quelle von Mundgeruch in über 90% der Fälle in der Mundhöhle zu finden. Daher sind die Aussichten auf eine dauerhafte Beseitigung der Halitose sehr gut, wenn es gelingt, diese Ursache zu ermitteln. Zu diesem Zweck wird die ganze Mundhöhle genau inspiziert, wobei der Schwerpunkt auf folgenden Punkten liegt:

Bakterielle Zungenbeläge sind die häufigste Quelle der Halitose. Daher gilt der Zunge ein besonderes Augenmerk. Anhand von Struktur, Belägen und Verfärbung kann man beurteilen, ob eine bakterielle Besiedlung der Zunge vorliegt. Spezielle Teststäbchen, die sich in Anwesenheit bestimmter Bakterien verfärben (Halitox), können bei dieser Abklärung helfen.

Zahnfleisch-Entzündungen (Gingivitis) werden von Bakterien verursacht, die schweflige Gase freisetzen und Mundgeruch verursachen können. Eine sorgfältige Inspektion des Zahnfleisches führt zur Erkennung dieser Probleme.

Beim Vorliegen von Parodontitis (oft auch Parodontose genannt) kommt es zu einer bakteriellen Besiedlung der Zahnfleisch-Taschen. Dabei entstehen auch gasförmige Verbindungen, die für Mundgeruch verantwortlich sein können. Mit einer gründlichen Parodontal-Untersuchung mit Messung der Zahnfleisch-Taschen und – falls erforderlich – bakteriologischem Abstrich sowie Röntgenaufnahmen kann eine eventuell vorhandene Parodontitis erkennen.

Schliesslich werden die Zähne auf Karies, schadhafte Füllungen, defekte Kronen oder Brücken untersucht. Auch eventuell vorhandene Prothesen werden einer genauen Inspektion unterzogen.

Ein zu trockener Mund begünstigt Halitosis. Bei Verdacht auf zu geringe Speichelproduktion (Xerostomie) wird daher die Speichelmenge (in Millilitern pro Minute) gemessen. Normalerweise liegt die durch Kauen angeregte Speichelfliessrate zwischen 0,7 und 2,0 ml pro Minute. Wird weniger produziert, muss nach den Ursachen geforscht werden, um eine gezielte Therapieempfehlung zu geben. Ursache für einen reduzierten Speichelfluss können Erkrankungen der Speicheldrüsen, psychische Störungen aber auch unerwünschte Nebenwirkungen bestimmter Medikamente sein. Zu solchen Medikamenten gehören:

  • Beruhigungsmittel
  • krampflösende Mittel
  • Medikamente gegen Depressionen
  • Antihistaminika bei Allergien
  • blutdrucksenkende Medikamente
  • harntreibende Arzneien
  • Appetitzügler
Messung der Speichelmenge

Die Behandlung der Halitose

Bei der weitaus überwiegenden Zahl der Mundgeruch-Patienten kann durch eine Behandlung der intraoralen (im Mund gelegenen) Ursache die Halitosis effektiv behandelt werden. Die Behandung richtet sich nach dem Befund, der bei der Mundgeruch-Sprechstunde erhoben wurde.

Wie bereits ausgeführt wurde, liegt die Quelle des Mundgeruchs häufig in der bakteriellen Besiedlung der Zunge. Abhilfe schafft hier die tägliche intensive mechanische Reinigung der Zunge mit einem geeigneten Zungenreiniger, auf den gegebenenfalls ein desinfizierender Gelee aufgetragen werden kann. Es gibt mittlerweile Zungenschaber und -bürsten in den verschiedensten Formen, die aber nicht alle gleichermassen effektiv sind. Unsere Dentalhygienikerinnen beraten sie gerne und unterweisen Sie in der für Sie idealen Technik.

Falls die Halitose durch eine bakterielle Zahnfleisch-Entzündung (Gingivitis) oder eine Parodontitis verursacht wird, ist eine gezielte Behandlung dringend angezeigt. Zunächst muss die Mundhygiene des Patienten optimiert werden. Eine Parodontalbehandlung kann nicht nur den Mundgeruch stoppen, sondern auch weitergehende Schäden am Zahnfleisch und Parodont verhindern. Da die Parodontologie einer unserer Behandlungsschwerpunkte ist, können wir im Bedarfsfall auf das ganze Spektrum der heute verfügbaren Therapiemöglichkeiten zurückgreifen, die von der konservativen Tiefenreinigung der Zahnfleischtaschen, ggf. mit Antibiotika und Laser, bis zur Geweberegeneration reicht. In unserem Parodontologie-Kapitel erhalten sie ausführliche Informationen über Zahnfleisch-Probleme, Parodontitis und Behandlungsoptionen

Unbehandelte „Löcher“ (Zahnkaries), defekte Füllungen, schlecht passende Kronen, Brücken oder Zahnprothesen können bisweilen zu Mundgeruch führen. In diesem Fall ist eine Gebiss-Sanierung durch eine konservierende Behandlung mit Füllungen oder Inlays oder ein Austausch der defekten Kronen angebracht.

Wenn die Speichelflussrate zu niedrig ist, kommt es zur Mundtrockenheit (Xerostomie), welche die Entstehung von Halitose begünstigen kann. Da zahlreiche häufig verschriebene Medikamente die Speichelproduktion herabsetzen, muss zunächst zusammen mit dem behandelnden Arzt geklärt werden, ob ggf. eine niedrigere Dosierung oder eine Umstellung auf andere Wirkstoffe Abhilfe schafft. Bei leichteren Formen der Xerostomie kann die Tätigkeit der Speicheldrüsen auch z.B. durch saure Lutschbonbons stimuliert werden. Es gibt auch Medikamente, die die Speichelproduktion anregen. In schweren Fällen können Speichelersatzpräparate helfen.

Bestimmte Mundspülungen haben nachweislich einen positiven Einfluss auf Mundgeruch. Allerdings ist die Wirkung dieser Spülungen begrenzt und kann die Behandlung der Ursache nicht ersetzen. Wir empfehlen derartige Mundwässer allenfalls als Unterstützung der ursächlichen Behandlung.

Wenn keine orale (in der Mundhöhle befindliche) Ursache des Mundgeruchs festgestellt werden kann, sollte eine gründliche Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohrenarzt erfolgen. Dieser wird insbesondere die Tonsillen (Mandeln) und die Nase sowie die Nasennebenhöhlen inspizieren. Verläuft auch diese Abklärung ergebnislos, kann der Gastroenterologe abschliessend klären, ob die Halitosis eventuell durch ein Problem im Verdauungstrakt verursacht wird.

Die Erstuntersuchung im Rahmen der Halitosis-Sprechstunde umfasst eine komplette Untersuchung der Mundhöhle und der Zähne mit Parodontalbefund sowie organoleptischer und halimetrischer Messung des Mundgeruchs. Die Kosten für diese Sprechstunde belaufen sich auf ca. SFR 300.- , dazu kommen eventuell notwendige Röntgenaufnahmen. Wenn eine Kontrollsitzung mit erneueter Halimetrie nötig ist, kostet diese etwa SFR 130.-

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Ist Mundgeruch tageszeitabhängig?
Ja, normalerweise ist er morgens früh nach dem Aufstehen am stärksten, was auch mit der reduzierten Speichelproduktion nachts zusammenhängt. Ein gutes Frühstück regt den Speichelfluss an und kann die Halitose beträchtlich reduzieren.

Kann man selbst testen, ob man an Mundgeruch leidet?
Selbsttests sind schwierig und nicht immer zuverlässig. Man kann z.B. Luft in einen Plastikbeutel blasen und nach einer kurzen Wartezeit die aus dem Beutel ausströmende Luft mit der Nase prüfen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit einem Wattestäbchen kräftig am Zungenrücken zu reiben und dann daran zu riechen. Viel sicherer als diese Methoden ist aber die „neutrale“ Nase des untersuchenden Spezialisten bzw. dessen elektronisches Messgerät (Halimeter).

Ich bin fest davon überzeugt, Halitose zu haben, aber alle Bekannten, die ich gefragt habe, sagen mir, ich hätte überhaupt keinen Mundgeruch.
Es ist natürlich möglich, dass die befragten Personen nicht die Wahrheit sagen. Es gibt aber auch Personen, die objektiv keinen Mundgeruch haben, aber felsenfest überzeugt sind, stark aus dem Mund zu riechen. Man nennt dieses Verhalten Halitophobie. Gewissheit schafft nur eine professionelle Untersuchung.

Kann Kaugummi-Kauen gegen Mundgeruch helfen?
Das Kauen von Kaugummi stimuliert die Speichelproduktion und kann mechanisch die Zungenbeläge reduzieren. Daher ist Kaugummi ein – wenn auch nur begrenzt und vorübergehend wirksames – leichtes Hausmittel gegen Halitosis. Um Zahnschäden zu vermeiden, sollte das Kaugummi aber zuckerfrei sein.

Können Magenprobleme Mundgeruch verursachen?
Grundsätzlich ist das möglich, allerdings sehr selten der Fall (weniger als 1% aller Fälle). Wenn die Funktion des Schliessmuskels zwischen Magen und Speiseröhre gestört ist (Kardialinsuffizienz) und es zum Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre kommt (Reflux), kann das mitunter zu Halitosis führen. In ca. 95% der Fälle liegt die Ursache der Halitose aber im Mundbereich und in 4% im Bereich der Tonsillen (Mandeln), der Nase oder der Kieferhöhlen.

Können Medikamente Halitosis verursachen?
Ja, viele häufig verschriebene Medikamente bewirken eine Verminderung der Speichel-Produktion im Mund und fördern dadurch die Entstehung von Halitose.

Ist Halitosis vom Alter abhängig?
Ja, bei älteren Menschen tritt Mundgeruch weitaus häufiger auf, als bei jüngeren, was auch mit der im Alter abnehmenden Speichelmenge zusammenhängt. Ausserdem haben ältere Menschen häufiger Parodontitis als jüngere.

Kann Stress Mundgeruch auslösen?
Ja, auch wenn die Zusammenhänge noch nicht klar sind, ist doch nachgewiesen, das psychischer Stress Mundgeruch fördern kann.

Haben Raucher häufiger Halitosis als Nichtraucher?
Bestimmte, im Rauch enthaltene geruchsaktive schweflige Verbindungen gelangen beim Rauchen über die Lunge ins Blut und werden danach wieder über die Lunge abgegeben, was zu dem typischen „Raucheratem“ führt. Starke Raucher haben aber ausserdem oft einen verminderten Speichelfluss, was die Entstehung der „echten“ Halitosis fördert.

Kann Mundgeruch auch durch Zahnprothesen verursacht werden?
Eine herausnehmbare Zahn-Prothese kann manchmal die Ablagerung von Bakterien oder bakteriellen Belägen fördern und zur Austrocknung von Teilen der Mundschleimhaut führen. Eine perfekte Prothesenhygiene ist daher entscheidend, um Halitosis vorzubeugen.